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An(ge)dacht - 06. Mai 2018

miteinander. versöhnt. leben

Unter diesem Leitwort steht in diesem Jahr die Pfingstaktion von Renovabis. Damit greift die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa zum 25-jährigen Bestehen ein seit ihrer Gründung zentrales Anliegen auf.

Dabei sollen im Jubiläumsjahr nicht nur Fragen der Aufarbeitung der oft gewaltbelasteten Vergangenheit in Mittel-, Ost- und Südeuropa in den Blick der Liebe kommen. Es geht auch um die aktuellen Konflikt-Szenarien und Kommunikationsprobleme zwischen Ost und West, die im Zuge der Flüchtlingskrise immer deutlicher geworden sind.

Sie sollten im Licht einer Liebe gesehen werden können, die sagt: „Es ist, was es ist!“

Drei Stichworte sind mit auf den Weg gegeben:

„miteinander.“ - dankbar realisieren, dass das Gegeneinander-Denken vorbei ist.

„versöhnt.“ - einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und einen wahren Neubeginn zu wagen und sich der Perspektive des Lebens zu öffnen.

„leben.“ - vom Ganzen her leben, das meint miteinander versöhnt leben. Das umschreibt jene Seite des ewigen Lebens, die im Hier ihren Anfang nimmt und in der Gemeinschaft mit Gott im Himmel vollendet wird.

Dieses Leitwort trifft auf den Bericht der jungen Frau Marina Federchenko, die eine zweite Chance mitten im Krieg erlebte. Sie erzählt die Geschichte, wie sie als Bedürftige vor einiger Zeit eine Caritas-Einrichtung in Charkiw aufsuchte. „Sie haben mir nicht nur mit einem Schlafplatz geholfen und mir zu Essen gegeben. Auch einen Arbeitsplatz und eine Perspektive habe ich hier gefunden“, erinnert sich die 39-Jährige. Zuvor erlebte die Mutter mit ihren drei Kindern eine regelrechte Odyssee. Ihr Haus stand unweit von dem 2014 schwerumkämpften Flughafen in Donezk. Die Familie flüchtete in den Westen der Ukraine. Dort aber fanden sie keine rechte Unterkunft und fuhren zurück in die umkämpfte Heimatstadt. 2015 floh sie erneut, diesmal nach Charkiw, und blieb. Von dem Geld, das sie von der Caritas erhielt, kaufte sie ihren Kindern Sachen zum Anziehen. „Ich hatte nicht daran geglaubt, eines Tages wieder Kleidung im Geschäft einzukaufen“, sagte Sie. „Ich begann wieder daran zu glauben, das Leben könnte für uns wieder so sein wie vor dem Krieg“, sagt sie heute.

Ihr eigenes Reisebüro musste sie in Donezk zurücklassen, heute hat sie einen Job als Sozialarbeiterin und hilft als Geflüchtete anderen Kriegsflüchtlingen aus der Ostukraine. „Es sind meine Leute, und nicht immer werden sie im Rest des Landes willkommen geheißen“, sagt Federchenko. „Weil ich Ähnliches erlebt habe, kann ich mich gut in sie hineinfühlen.“ Ihrer Meinung nach sei zu wenig im westlichen Bewusstsein, dass der Konflikt im Osten ihres Landes weiterhin andauere. „In Europa wird noch immer geschossen und wir schauen uns Modemagazine im Fernsehen an“, schüttelt sie den Kopf.

Auf welcher Seite des Konflikts steht sie? „Zuhause spreche ich Russisch, aber ich bin Ukrainerin“, antwortet sie. Dann erzählt sie die Geschichte, wie ihr alter Freund sich auf die Seite der Separatisten geschlagen hat. „Die Freundschaft hört aber nicht auf“, sagt sie und ergänzt, ihre Hoffnung auf Frieden und Versöhnung habe sie nicht aufgegeben. Gerade, weil es auch viele gute Menschen in ihrem Land gebe, wie sie erfahren hat.

Auch dies steht für Kirche, für Liebe, für Caritas. Gott sei Dank.

Klaus Korfmacher, Pfarrer

 

   

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